Ramona

 

Ramona gehört mit ihrer Familie seit Jahren zu unserem engesten Freundeskreis. Ich freue mich sehr darüber, dass Ramona meine neue Rubrik 'Meine Geschichte ...' eröffnet:

 

 

Hallo Ramona, magst Du Dich kurz vorstellen?

Aber gerne doch ;-) ich heiße Ramona, bin 37 Jahre alt und wohne mit meinem Mann und meinen 3 Kindern im schönen Oberfranken.

 

Wie alt sind Deine Kinder?

Die Große, Alicia, ist 15 Jahre alt, Lana ist 7 Jahre alt und Malina ist 6 Jahre alt.

 

Deine mittlere Tochter Lana wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Wie war das anfangs für Euch?

Ich hatte eine unauffällige Schwangerschaft. Als ich mein Baby nach der Geburt das erste mal anguckte, dachte ich nur so für mich: hm, sieht irgendwie komisch aus. Aber ich dachte, naja, das gibt sich mit der Zeit, Babys sind ja alle am Anfang irgendwie zerknautscht. Der Arzt untersuchte Lana und äußerte nichts darüber, dass mit meinem Kind etwas nicht stimmen könnte. Die Hebamme kam allerdings gleich zu mir und äußerte den Verdacht, dass Lana das Down-Syndrom haben könnte. Sie nannte mir einige Merkmale wie die tiefer stehenden Ohren, das flache Nasenbein, die Vier-Finger-Furche. Mit dem Begriff Down-Syndrom konnten mein Mann und ich nichts anfangen. Die Hebamme fragte uns, kennen Sie Trisomie 21/Down-Syndrom? Wir: Nein. Sie fragte, können Sie mit dem Begriff mongoloid etwas anfangen? Wir: Ja. Mein Mann fragte die Hebamme: Heißt das, unser Kind ist behindert? Die Hebamme: Ja. Mein Mann wurde weiß wie die Wand. Er ging erst einmal raus eine rauchen. Der Arzt ordnete während dessen eine Blutabnahme an.

Ich wurde mit meinem Kind aufs Zimmer verlegt. Am nächsten Morgen kamen 3 Ärzte zu uns und schauten irgendwie ganz komisch. Sie sagten, Lana müsse auf die Kinderstation verlegt werden in einen Inkubator, sie wäre ganz kalt und ihre Sättigung stimme nicht. Ich kann mich noch gut zurück erinnern, mir wurde in dem Moment ganz schwarz vor Augen und mir wurde furchtbar schlecht. Ich bekam eine richtige Panikattacke. Ich wurde in ein anderes Zimmer gelegt und behandelt. Lana wurde auf die Kinderstation verlegt.

 

Wie ging es dann weiter?

Es dauerte 2 Tage, bis ich es geschafft hatte, zu meinem Kind zu gehen. Zu tief saß der Schock und ich hatte panische Angst, dass man mir wieder eine Hiobsbotschaft überbrachte. Jetzt im Nachhinein schäme ich mich dafür.

Mein Mann war es der mir gut zuredete und sagte, geh zu Deinem Baby, es braucht seine Mama. Fortan war ich täglich bei Lana, ich habe sie versorgt, Fläschchen gegeben, gebadet, gewickelt etc. und jedes Mal wenn ich sie auf dem Arm hatte, war ich den Tränen nahe und ich entschuldigte mich bei ihr dafür, dass es so gekommen war. Ich hatte furchtbare Schuldgefühle. Nach 10 Tagen wurden wir nach Hause entlassen.

Diese Panikattacken, die damals angefangen haben, sind bis heute geblieben. Wenn ich denke, es wird etwas brenzlig, bekomme ich so eine Attacke.

 

Du weisst aber schon, dass du nicht schuld bist, dass Lana das Down-Syndrom hat?

Ja schon, aber damals hatte ich eben diese Schuldgefühle und meinte, mich bei meinem Kind entschuldigen zu müssen.

 

Wie geht es Dir/Euch heute?

Lana ist organisch gesund. Gott sei Dank! Bis auf einen Schnupfen ab und an erfreut sie sich bester Gesundheit. Lana spielt gerne mit ihren Puppen und ihrem Puppenwagen, sie malt und bastelt gerne, sie geht gerne spazieren und auf den Spielplatz oder ein Eis essen. Lana geht wie auch Mia gerne aufs Volksfest, in die Achterbahn mit ihren Schwestern, mit Mia begeistert in die Geisterbahn, weißt noch?? * lach * - eigentlich ganz normal wie andere Kinder auch.

 

Lana hat ja noch 2 Schwestern, 6 und 15 Jahre alt. Wie siehst Du die Geschwisterbeziehung, insbesondere zu ihrer jüngeren Schwster Malina?

Die beiden lieben sich, Malina verteidigt auch ihre Schwester wenn es sein muss, aber sie ist auch sehr eifersüchtig. Das liegt wohl daran, dass Lana doch mehr Aufmerksamkeit benötigt und bekommt. Trotzdem meine ich, dass es gut war, die beiden altersmäßig so knapp hintereinander bekommen zu haben, beide profitieren voneinander. Ich bin sehr froh, dass ich meine Mädels habe.

 

Lana ist jetzt 7 Jahre alt und wurde letztes Jahr im September zusammen mit meiner Mia in eine Heilpädagogische Förderschule eingeschult. Wie gefällt es ihr in der Schule und wie bist Du selbst zufrieden mit deiner Schulwahl?

Ich bin mit meiner Schulwahl sehr zufrieden. Lana kommt jeden Mittag fröhlich von der Schule nach Hause und erzählt freudig. Sie wird in der Schule gut gefördert und so, wie Lana es braucht. Auf Deine Frage hin, ob ich auch einen Nachteil in meiner Schulwahl bzw. Schule sehe, ist meine klare Antwort ein Nein.

 

Was wünschst Du Dir/wünscht Ihr Euch für Eure Zukunft?

Dass sich Lana weiterhin so gut entwickelt und ihr Leben immer so genießen kann wie bisher.

 

Möchtest Du selbst noch etwas zu unserem Interview hinzufügen?

Hm, wie formuliere ich das jetzt - also ich merke an meinen beiden Mädels, dass Lana genauso ein normales Kind ist und am Leben teilhaben kann wie Malina - manchmal halt nur anders bzw. eingeschränkt.

 

Vielen Dank liebe Ramona, dass Du Dir die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast.

 

 

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(c) Kerstin Ellner

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